Man sagt im Leben der Zähne gibt es drei gefährliche Phasen – „Laufen, Raufen, Saufen“.

Die erste Phase beginnt mit dem aufrechten Leben auf zwei Beinen – kaum hat man sich versehen, schon liegt der oder die Kleine wieder auf dem Boden. Schnell ist da auch mal die Lippe aufgeschlagen oder gar ein Milchzähnchen betroffen.

Die zweite Phase beginnt dann mit dem Toben auf dem Spielplatz, der Straße oder dem Schulhof. Skateboard- und Fahrradfahren, das Spielen auf Rutschen und Schaukeln oder Ballsportarten sind nur einige der Gefahren für die Zähne im Kindesalter.

Und die dritte Phase muss man nicht weiter definieren, mit dem Alkoholpegel steigt die Risikofreude und gleichzeitig schwindet das Körpergefühl - schnell kommt es zu Stürzen und Unfällen, oft mit bösem Erwachen.

Die gute Nachricht - ein Zahn kann bei richtigem Vorgehen wieder eingesetzt (reimplantiert) werden. Aber wie sieht das „richtige Vorgehen“ aus?

Meistens betrifft der Unfall die oberen Schneidezähne, da diese am größten sind und am weitesten vorn stehen. Die erste und wichtigste Regel ist – den Zahn oder das Bruchstück suchen, die richtige Aufbewahrung und die möglichst schnelle Vorstellung bei einem Zahnarzt.

Denn entscheidend über den Erfolg oder Misserfolg einer Reimplantation ist das Überleben der Zellen an der Wurzeloberläche. Sind diese Zellen noch intakt, dann können die Fasern des Zahnhalteapparats wieder korrekt an die Wurzel anwachsen- es kommt zur physiologischen Einheilung. Sind die Zellen jedoch abgestorben, so kommt es nur zur unphysiologischen knöchernen Einheilung (Ankylose).

Bei der knöchernen Einheilung wird der Zahn oftmals zu einem späteren Zeitpunkt vom Körper als „fremd“ identifiziert und abgestoßen oder resorbiert. Die Erfolgsaussichten für einen dauerhaften Verbleib des Zahnes sind dann leider schlecht.

Sind die Zellen jedoch noch intakt, so sind die Chancen gut (je jünger der Patient, desto besser), dass der Zahn ganz normal wieder anwächst.

Der Zahn wird in diesem Fall für 1-2 Wochen an den Nachbarzähnen befestigt, damit die primäre Einheilung erfolgt. Nach Entfernung der Schiene kommt es zur „funktionellen Belastung“ des Zahnes, was für die Bildung und Anheftung der Zahnfasern unverzichtbar ist.

Anschließend sind regelmäßige Vitalitätskontrollen und Röntgenaufnahmen wichtig um den Verlauf der Reimplantation zu überwachen. In einigen Fällen wächst der Zahn zwar wieder „normal“ ein, aber der Zahnnerv stirbt ab. Dann ist eine Wurzelkanalbehandlung unverzichtbar. Eine weitere, für den Patienten unschöne, Folge kann sein, dass sich der Zahn durch das Absterben dunkel verfärbt. In diesem Falle kann mit Kronen oder Veneers die Ästhetik wiederhergestellt werden.

Wie aber bewahre ich nun einen ausgeschlagenen Zahn richtig auf?

Das Wichtigste: Ein Austrocknen des Zahnes zu verhindern. Trocknen die Zellen aus, so sterben sie ab und eine Einheilung ist nicht mehr möglich. Deshalb ist eine trockene Aufbewahrung z.B. in einem Taschentuch oder einer Dose gänzlich ungeeignet, die Zellen sterben so innerhalb weniger Minuten ab.

Da die Zellen sehr sensibel ist sollte der Zahn auch nur an der Krone und nicht an der Wurzel angefasst werden und auf keinen Fall gesäubert oder desinfiziert werden.

Auch normales Leitungswasser ist als Aufbewahrungsmedium nicht zu empfehlen.

Die beste Lösung ist eine sogenannte Zahnrettungsbox. Diese beinhaltet ein Nährmedium für die Zellen, ähnlich wie bei einem Organtransport, welche ein Überleben der Zellen für 24-48 Stunden sichert. Zahnrettungsboxen sind in der Apotheke erhältlich, haben eine Haltbarkeit von ca.3 Jahren und kosten rund 20 Euro. Wenigstens in jeder Schule und Kindergarten sollte solch eine Box vorhanden sein.

Ist keine Zahnrettungsbox zur Hand so kann man den Zahn vorsichtig in Frischhaltefolie einwickeln um ein Austrocknen zu vermeiden oder den eigenen Speichel in ein kleines Gefäß füllen und den Zahn darin aufbewahren. Die Überlebenszeit der Zellen beträgt in diesem Fall jedoch bloß 15-30 Minuten.

Isotone Kochsalzlösung oder H-Milch (keine Vollmilch!) sind Alternativen um den Weg zum Zahnarzt zu überbrücken, aber auch in diesem Medium beträgt die maximale Aufbewahrungsdauer 30-120 Minuten.

Entscheidend ist also die richtige Lagerung des Zahnes und der schnelle Weg zum Zahnarzt.

Auch Milchzähne können theoretisch bis zu einem Alter von etwa vier Jahren reimplantiert werden, da jedoch die Gefahr einer Schädigung des nachkommenden, bleibenden Zahnes zu groß ist, wird in den meisten Fällen darauf verzichtet.

Dr. Philipp Vogelsang

Mallorca Zeitung 784, 14.Mai 2015










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  • Dr. med. dent. Philipp Vogelsang

    Dr. med. dent. Philipp Vogelsang

    Seit 2010 als Zahnarzt tätig. Behandlungsschwerpunkte: Implantologie und konservierende Zahnerhaltung. Seit 2015 im CENTRO LIBERIX in Palma de Mallorca…

  • Carmen Gunkel MSc, Kieferorthopädie

    Carmen Gunkel MSc, Kieferorthopädie

    Seit 1994 als Zahnärztin tätig. Seit dieser Zeit auch in Palma de Mallorca selbständig niedergelassen. Seit 2014 im CENTRO LIBERIX. Fachzahnärztin für Kieferorthopädie

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    Carsten Wollmann

    Ergotherapeut seit 1993, Logopäde seit 1997. Seit 1999 selbstständig. Seit 2014 im CENTRO LIBERIX.

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