Parodontitis – mehr als „nur“ eine Zahnfleischentzündung

Etwa jeder zweite Bundesbürger über 50 Jahre ist von dieser Erkrankung betroffen, jedoch wissen viele nicht ein mal davon. Durch ihren über Jahre schleichenden und meist schmerzfreien Verlauf ist die Parodontitis eine besonders heimtückische Krankheit.

Aber was genau ist die Parodontitis oder umgangssprachlich „Parodontose“ eigentlich?

Es handelt sich hierbei um eine bakterielle Erkrankung des Zahnhalteapparates, welcher aus der knöchernen Zahnhöhle, dem Wurzelzement und dem Zahnfleisch besteht.

Voraussetzung für die Entwicklung einer Parodontitis ist das Einnisten bestimmter „PA-Keime“. Dies sind Bakterien, welche durch ihre Stoffwechselprodukte, die sogenannten „Toxine“, das Zahnfleisch und den Knochen schädigen.

Haben diese Bakterien den Weg in den Mund gefunden und herrschen dort Verhältnisse vor, bei denen sie sich wohlfühlen, nisten sie sich ein und vermehren sich.

Im gesunden Gebiss gibt es zwischen Zahn und Zahnfleisch eine kleine Nische, deren Tiefe etwa 1-2mm beträgt. Das Zahnfleisch heftet fest am Zahn an und die Bakterien haben in diesen kleinen Zahnfleischtaschen keinen Platz sich zu vermehren und festzusetzen. Auch lassen sich diese Zahnfleischtaschen vom Patienten gut säubern.

Probleme entstehen dann, wenn die Zahnfleischtaschen tiefer sind als die angesprochenen 1-2 mm, Bakterien nisten sich ein, vermehren sich ungestört und die Toxine verdrängen am Boden der Tasche erst das Zahnfleisch und dann den Knochen und die Tasche wird somit immer tiefer. Vom Patienten selbst bleibt dieses Geschehen lang unbemerkt, erst im späten Stadium der Parodontitis fallen die typischen Symptome auf: Das Zahnfleisch zieht sich zurück und die Zähne werden somit optisch „länger“, was ästhetisch unbefriedigend ist. Außerdem lockern sich die Zähne durch den fortgeschrittenen Knochenabbau.

Warum entsteht nun eine Parodontitis?

Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren für die Entwicklung einer Parodontitis - oftmals ist es das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die die Entstehung begünstigen.

So ist an erster Stelle sicher die individuelle Mundhygiene zu nennen, sprich die tägliche Zahnpflege zu Hause. Besonders wohl fühlen sich die Bakterien nämlich in Zahnbelag und Zahnstein. Ist erst ein mal Zahnstein entstanden so kann dieser auch unter das Zahnfleisch wachsen und dort weiteren Schaden anrichten, hier spricht man von sogenannten Konkrementen. Dem Patienten selbst ist es unmöglich diese Konkremente zu entfernen, hier hilft nur eine professionelle Entfernung vom Zahnarzt und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen, um bereits der Entstehung von Konkrementen vorzubeugen.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist das Rauchen. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein 2,5 – 6 mal erhöhtes Risiko eine Parodontitis zu entwickeln.

Auch können genetische Veranlagungen das Risiko erhöhen, ebenso wie schlechte Ernährung, Stress, hormonelle Umstellungen in Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahren oder auch bestimmte Medikamente, welche Mundtrockenheit verursachen.

Ein weiterer sehr wichtiger und oft unbekannter Risikopunkt ist das Vorliegen von Diabetes. Diabetiker haben ein 3-fach erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken. Dies liegt in erster Linie daran, dass bestimmte Endprodukte des Zuckerumbaus Entzündungsprozesse fördern.

Und auch umgekehrt hat das Vorliegen einer Parodontitis negativen Einfluss auf den Blutzuckerwert eines Diabetikers, denn nicht nur begünstigen Krankheiten das Entstehen der Parodontitis, sondern kann auch umgekehrt eine Parodontitis die Entwicklung anderer Krankheiten erleichtern.

So ist zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Vorliegen einer Parodontitis deutlich erhöht, da die Bakterien und deren Schadstoffe über die Gefäße im gut durchbluteten Mundraum auch in den restlichen Körper gelangen. Wenn man bedenkt, dass Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache in den Industrienationen ist, wird deutlich wie wichtig die Mundgesundheit für den ganzen Organismus ist.

Die beste Maßnahme gegen Parodontitis ist es, schon der Entstehung durch regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen vorzubeugen.

Ist bereits eine Parodontitis entstanden, so müssen unbedingt die gefährlichen Bakterien entfernt werden. Dies geschieht durch bestimmte Reinigungsmaßnahmen, die nur vom Zahnarzt durchgeführt werden können. Hierbei werden die Zahnfleischtaschen mittels Ultraschall und Handinstrumenten gereinigt und mit desinfizierenden Lösungen gespült, die Wurzeloberflächen der Zähne werden geglättet um es den Bakterien schwer zu machen sich erneut anzusiedeln und in bestimmten Fällen sollte außerdem ein mikrobiologischer Abstrich erfolgen um das genaue Bakterienspektrum zu analysieren und hierauf abgestimmt ein Antibiotikum zu verschreiben.

Festzuhalten bleibt, dass die „Parodontose“ nicht einfach nur eine Entzündung des Zahnfleisches ist, sondern ein komplexer Vorgang, der weitaus schwerere Erkrankungen begünstigen kann und unbedingt vermieden bzw. behandelt werden sollte.

Unsere Ärzte

  • Dr. med. dent. Philipp Vogelsang

    Dr. med. dent. Philipp Vogelsang

    Seit 2010 als Zahnarzt tätig. Behandlungsschwerpunkte: Implantologie und konservierende Zahnerhaltung. Seit 2015 im CENTRO LIBERIX in Palma de Mallorca…

  • Carmen Gunkel MSc, Kieferorthopädie

    Carmen Gunkel MSc, Kieferorthopädie

    Seit 1994 als Zahnärztin tätig. Seit dieser Zeit auch in Palma de Mallorca selbständig niedergelassen. Seit 2014 im CENTRO LIBERIX. Fachzahnärztin für Kieferorthopädie

  • Carsten Wollmann

    Carsten Wollmann

    Ergotherapeut seit 1993, Logopäde seit 1997. Seit 1999 selbstständig. Seit 2014 im CENTRO LIBERIX.

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